FILMTIPP: Before the flood

Der Klimawandel ist nicht erst seit Leonardo di Caprios neuem Film „Before the flood“ und seit Al Gores „Eine unbequeme Wahrheit“ eine bestürzende Tatsache. Und auch nicht die einzige. Artensterben, leer gefischte Ozeane, wachsende Wüsten, tote Riffe, sterbende Wälder usf..

Gewöhnt an fiktionale Geschichten in Kino und TV, können wir es kaum fassen, dass es sich bei der desaströsen Entwicklung, die wir tagtäglich in den Nachrichten verfolgen müssen, tatsächlich um unsere ureigenste Realität handelt, und nicht um einen Kinostreifen. Leonardo di Caprio macht einen wirklich bestürzten und ungläubigen Eindruck, als er mit dem Helicopter über die brennenden Urwälder von Sumatra fliegt. Oder als er auf dem schmelzenden grau-schwarzen Eispanzer Grönlands steht und die reißenden Schmelzwasserfluten auf seinem Weg ins Meer bestaunt.

Auf Besichtigungsflug. Brennende Primärwälder.

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Jetzt, ja jetzt in diesem Moment werden gerade die letzten Primärwälder Sumatras zugunsten von Palmölplantagen für Nutella, Big Mac und Yve Saint Laurent gerodet. Das ist insbesondere für genusssüchtige menschliche Wesen, die Meister in der Kunst der Verdrängung sind, auch wirklich schwer zu fassen! Und das soll alles echt sein?

Ja! Alles echt und alles von existentieller Bedeutung. Die Flüchtlingsströme sind echt, die Überfischung der Ozeane ist echt, die Rodung der letzten Regenwälder ist echt, der Klimawandel ist echt. Und es sind alles Zeichen eines wirklich stattfindenden globalen Niedergangs, einer Katastrophe von gigantischem Ausmaß.

Warum ist es für uns nur so schwer vernünftig zu Handeln? Wie viele Warner und wie viele lokale Katastrophen braucht es noch, bis politisches, ökonomisches und individuelles Handeln zum Schutz des Klimas endlich einsetzt?

Al Gore ist mit seiner unbequemen Wahrheit gescheitert. Selbst Papst Franziskus hat es im bigotten Amerika nicht geschafft die Menschen wach zu rütteln. Bis heute wird der Klimawandel in weiten Teilen westlicher Gesellschaften nicht ernst genommen und von bezahlten Wissenschaftlern geleugnet.

Vielleicht schaffen es ja jetzt Visionäre wie Elon Musk und Klimaaktivisten wie di Caprio, eine Umkehr im Denken und Handeln der Menschen zu bewirken?

„Tipping points“ in Sicht!

Das wäre zu Hoffen, denn die Fenster zu effektivem und konzertiertem Handeln für die Rettung der Welt und der Menschheit von Morgen schließen sich bereits, so meine pessimistische Befürchtung heute. Die sogenannten „tipping points“ kommen immer näher.
Tipping points sind Kipppunkte, die einen radikalen, nicht mehr aufhaltbaren Wandel markieren. Im Film „Befor the flood“ werden ein paar solcher „tipping points“ eindrücklich gezeigt. So sind die derzeit massiv abschmelzenden Gletscher von Grönland heute, aufgrund des Schmelzprozesses, nicht mehr weiß sondern grau bis schwarz. Entsprechend reflektieren sie das Sonnenlicht nicht mehr und heizen die Schmelze weiter an. Ein unumkehrbarer Prozess. Die Gletscher Grönland werden immer schneller verschwinden.
Ähnlich verhält es sich mit dem Auftauen von Permafrostböden, wodurch gigantische Mengen von Methan in die Atmosphäre entlassen werden, welches den Klimawandel weiter beschleunigen wird. Diese „Tippingpoints“ markieren aus meiner Sicht das Schließen der Handlungsfenster. Danach kann die Menschheit auf den Kollaps nur noch reagieren! Zum Gegensteuern ist es dann zu spät!

Gerade lese ich zum Thema  Jared Diamonds „Kollaps“ und ich bin überrascht, wie viele gesellschaftliche Niedergänge, ausgelöst durch kurzsichtige, massive und unumkehrbare Umweltzerstörungen, es in der Geschichte bereits gegeben hat. Schon oft haben sich menschliche Gesellschaften sehenden Auges um ihre eigene Existenz gebracht, in dem sie nicht nachhaltig gewirtschaftet haben.

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Sehr eindrücklich schildert Diamond dies am Beispiel der Osterinsel vor ca. 500 Jahren. Irgendwann war der letzte Baum gefällt und dann gab es kein Halten mehr. Hunger, Krieg und Krankheit haben die Bevölkerung dahingerafft. Heute ist die Osterinsel ein karges baumloses Eiland.
Für Diamond ist das Desaster auf der Osterinsel symbolisch für den gegenwärtigen Niedergang des Planeten Erde. Ähnlich der Osterinsel im Pazifik ist unsere Erde im Weltall isoliert. Es gibt keine Möglichkeit auf eine benachbarte Insel bzw. einen anderen Planeten auszuwandern, wenn die eigene Insel bzw. die Erde erst einmal ruiniert ist.

 

Dies ist nun also allem Anschein nach unser Niedergang. Im Zeichen der Globalisierung der größte Niedergang in der Geschichte der Menschheit. Der ganze Planet mit seiner Biosphäre ist betroffen. Und es sieht leider gerade nicht danach aus, dass wir das Ruder noch einmal herumreißen können. Wir dürfen den Kollaps lediglich bezeugen. Es ist schwer zu Begreifen und erfüllt mich mit Wut, dass es zuvorderst niedere Triebe und die Profitinteressen einiger Weniger sind, die ohne Rücksicht auf Verluste uns alle in die Katastrophe reißen.

 

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